Werbung, ja bitte in Deutschland und Frankreich

Werbung ist und bleibt eine relevante Informationsquelle für den Endverbraucher und ein bedeutendes Abverkaufstool für den Handel. Da Werbung jedoch zunehmend digital und selbstbestimmt konsumiert wird, werden Stimmen gegen unadressierte Printwerbung immer lauter. Auch die Regelungen für die Verteilung von unadressierter Printwerbung sind von Land zu Land unterschiedlich. In den letzten Jahren hat verstärktes Umweltbewusstsein zu Gesetzesanpassung geführt, um Prospekt- und Katalogwerbung gezielt an Haushalte zu verteilen, die hierfür ihr Interesse ausgesprochen haben. So wurde in einigen Ländern der “Werbung, nein danke!” Aufkleber für den Briefkasten eingeführt, mit dem die Haushalte angeben können, dass sie Printwerbung nicht erhalten möchten. Andere Nationen experimentieren mit der gegenteiligen Lösung “Werbung, ja bitte!”, die es Personen ermöglicht unadressierte Werbung postalisch zu erhalten.

Einzelheiten und Anwendungen in Deutschland und Frankreich im Überblick:

“Bitte (keine) Werbung” in Deutschland
83.719.914 Einwohner im Jahr 2021
Deutschland ist nach Frankreich der zweitgrößte Produzent von Papierprospekten in Europa. Das Umweltbundesamt (UBA) schätzt, dass die 41,3 Millionen deutschen Haushalte jede Woche zwischen 500 und 700 Gramm unverlangte Werbung und Gratiszeitungen erhalten, was 1,1 bis 1,5 Millionen Tonnen Werbepost pro Jahr entspricht. Das Gesetz über die Verteilung von Papierprospekten und Katalogen ist streng. Wenn ein Briefkasten einen Aufkleber oder sogar einen Zettel mit der Aufschrift “Werbung, nein danke!” trägt, ist es verboten, Werbepost hineinzulegen.
Im Jahr 2020 sind laut dem Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft 27% der deutschen Briefkästen mit einem “Keine Werbung” Aufkleber versehen. Die Stadt, in der die Aufkleber am meisten präsent sind, ist München mit 61,5 % angebrachten Aufklebern.
Die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) will das System jedoch so ändern, dass gedruckte Werbung nur noch an diejenigen verteilt wird, die sich diese ausdrücklich wünschen und ihr Interesse mit einem “Werbung, ja bitte” Aufkleber demonstrieren. Demzufolge reichte die NGO im Jahr 2020 eine Petition an den Deutschen Bundestag ein, um das bereits bestehende Modell “Keine Werbung” rückgängig zu machen, mit mehr als 100.000 Unterschriften. Auch die ersten Städte werden aktiv. Aktuell hat sich der Leipziger Stadtrat diese Initiative auf die Agenda geschrieben und bekennt sich zu dem Ziel, eine Opt-In-Lösung für Werbepost in Briefkästen einzuführen und möchte sich hier gegenüber der Bundesregierung für die Einführung stark machen.

Oui Pub und Stop Pub:

“Bitte (keine) Werbung” in Frankreich
65.585.503 Einwohner im Jahr 2021
In Frankreich werden laut der European Letterbox Marketing Association jedes Jahr 21 Milliarden gedruckte Anzeigen verteilt. Somit entfielen 2018 in Frankreich 755.699 Tonnen Papier auf gedruckte Werbung. Das Ministerium für den ökologischen Wandel ging im Jahr 2015 noch einen Schritt weiter und gab an, dass diese Werbeprospekte und Kataloge 30 Kilogramm Papier pro französischem Haushalt und Jahr ausmachen.
Die Entwicklung zeigt eine bewusste Trendwende der Werbepost. So gaben im Jahr 2020 30 % der französischen Bevölkerung an, einen Stop-Pub-Aufkleber angebracht zu haben (+12% mehr als im Jahr 2015). Die Regelungen zu deren Verteilung werden derzeit diskutiert. Der Gesetzentwurf zu Klima und Resilienz schlägt ein Opt-in-System über einen Oui-Pub-Aufkleber, sozusagen einen “Werbung, ja bitte” Aufkleber vor. Demzufolge wäre auch hier die Verteilung von gedruckter Werbung verboten, es sei denn, der Aufkleber ist am Briefkasten angebracht. Laut der aktuellen OpinionWay-Umfrage für Bonial sind 75 % der Franzosen für das Oui-Pub-Gesetz.
Das Experiment “Oui Pub” findet in Frankreich in freiwilligen Gemeinden für einen Zeitraum von 3 Jahren statt und wird auf 10 % der Bevölkerung beschränkt.

Quelle: https://corporate.bonial.com/fr/blog/stop-pub-et-oui-pub-en-europe